Rendite mit gutem Gewissen

Dezember 2021, Autor: Katja Reingardt

Yann Bastard

Auf Plastik verzichten, regionale Lebensmittel kaufen und das Flugzeug gegen die Bahn eintauschen: Es gibt viele Lebensbereiche, in denen Ökologie und Klimaschutz längst angekommen sind. Doch wie sieht es im Finanzsektor aus? Die wenigsten Kontoinhaber wissen, was mit ihrem Ersparten passiert. Grüne ETFs und Öko-Banken versprechen, das Geld ihrer Kunden nachhaltig anzulegen. Doch was genau „nachhaltig“ bedeutet, entscheidet derzeit noch jedes Geldinstitut selbst.

Wer den eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren möchte, hat es in den meisten Lebensbereichen leicht. Weniger Flugreisen, Verpackungsmüll und Fleisch sind einige Möglichkeiten, um im Privaten etwas für Umwelt und Klima zu tun. Dass aber auch das eigene Geldkonto oder die Investitionen ihren Anteil zur CO2-Reduzierung beitragen können, wissen die wenigsten. Bei grünen Geldanlagen geht es um die Wirkung des Geldes. Wird das Geld zum Beispiel in fossile Energien investiert, in Rüstung und Atomkraft oder in die Errichtung von umweltschonenden Wind- oder Solaranlagen? Auf den wachsenden Wunsch der Kunden, mit ihrem Geld Gutes für die Umwelt zu tun, reagieren mittlerweile auch die etablierten Kreditinstitute mit entsprechenden Spar- und Anlageprodukten.

Nachhaltigkeit in der Bankenbranche angekommen

Nahezu alle großen Banken haben vermeintlich nachhaltige Finanzprodukte im Programm. Dabei immer im Fokus: die ESG-Kriterien. Dahinter stecken die Begriffe Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Wie und in welchem Rahmen diese Kriterien aber tatsächlich umgesetzt werden, variiert von Bankunternehmen zu Bankunternehmen. Einheitliche oder gar verpflichtende Richtlinien für nachhaltige oder ethisch-ökologische Kriterien gibt es nicht. Kein Wunder also, dass Anleger bei der Fülle der Angebote oft den Überblick verlieren.

Eine derzeit auch bei jungen Kunden beliebte Anlageform sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Diese passiv gemanagten Fonds bilden einen Index ab, investieren also in alle im jeweiligen Index gelisteten Unternehmen. Die anfallenden Gebühren sind hierbei vergleichsweise niedrig. Neben ETFs, die den gesamten Index abbilden, gibt es aber auch solche, die gemäß den ESG-Kriterien Unternehmen mit kritischen Geschäftsmodellen wie Tabak oder Rüstung ausschließen. Reine Nachhaltigkeitsindizes, die durch ETFs nachgebildet werden könnten, sind heute allerdings noch selten.

Stolpersteine aus dem Weg räumen

Eine sicherere Anlaufstelle für Anleger mit grünem Gewissen sind die sogenannten grünen Banken. Sie wickeln ihre Geldgeschäfte nach eigenen Angaben fair, ethisch und ökologisch ab, spekulieren nicht mit Nahrungsmitteln, unterstützen aktiv die Energiewende und investieren insbesondere nicht in Waffengeschäfte. Ihr Anspruch ist es zudem, transparent zu arbeiten. Wer eine nachhaltige und ethische Bank sucht, kann sich an einigen Siegeln orientieren, darunter das FNG-Siegel, das ECOreporter-Siegel, oder einen Blick in den Fair Finance Guide Deutschland werfen, der die ökologische und soziale Bilanz deutscher Finanzinstitute vergleicht. Aktuell gibt es bundesweit bereits mehr als fünf grüne Bankinstitute.

Stolpersteine auf dem Weg zu einem grünen Bankenwesen sind derzeit noch Kryptowährungen. Allein der geschätzte Stromverbrauch der wohl bekanntesten Kryptowährung Bitcoin ist größer als der gesamte Jahresstromverbrauch der Niederlande. Das liegt vor allem am sogenannten Mining, also dem Herstellungsprozess von Bitcoins mithilfe gigantischer Computer-Rechenleistungen. Aber auch Krypto-Überweisungen sind nicht gerade umweltfreundlich. Jede einzelne Transaktion setzt so viel CO2 frei wie knapp 695.000 Zahlungen mit der Kreditkarte. Wer mit Kryptowährung handelt, macht seine Bankgeschäfte also automatisch weniger nachhaltig. Etablierte grüne Banken setzen deshalb auf herkömmliche Anlagenformen, Girokonten und Fonds.

Grüne Produkte als Megatrend

Sie sind aber nicht die einzigen, die den Megatrend erkannt haben. Mittlerweile setzen nahezu alle Bankinstitute auf grüne Produkte. Nicht zuletzt, weil die kommende Generation als „Green Natives“ den Klimawandel noch einmal verstärkt in den Fokus ihres Handelns rücken wird. Und auch ältere Anleger stellen den Klimaschutz bei ihren Entscheidungen vermehrt in den Vordergrund. Laut einer aktuellen Studie der TeamBank erwarten 51 Prozent der Deutschen, dass eine Bank ihre ökologisch-sozialen Anstrengungen darlegt. Immerhin 41 Prozent der Befragten achten darauf, dass bei Bank- und Versicherungsprodukten ökologisch-soziale Standards eingehalten werden.

Auffällig hierbei: Viele Kunden sind nicht bereit, für nachhaltiges Banking mehr zu zahlen als für herkömmliches. Gleichzeitig wächst bei vielen aber auch die Angst vor „Greenwashing“, also davor, dass sich Banken nachhaltiger präsentieren, als sie eigentlich sind. Auch deshalb werden Forderungen nach einheitlichen Richtlinien für grüne Banken lauter. Fest steht: Green Banking wird die Branche in Zukunft prägen und verändern. Um gesellschaftlich relevant zu bleiben und neue Kundengruppen anzusprechen, müssen Banken umdenken und langfristig nachhaltige Geschäftsstrategien entwickeln.

Weitere Beiträge